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05.04.2006
Stellenwert des Arbeitsplatzes im Seitental –
Das Wirtschafts- und Arbeitsmarktgefüge im Passeiertal

Am Montag, den 3. April, fand im Vereinshaus von St. Leonhard ein Vortrag zum Thema „Stellenwert des Arbeitsplatzes im Seitental“ statt. Dr. Helmuth Sinn, Direktor der Abteilung Arbeit, referierte und stand für die anschließende Diskussion zur Verfügung.
Das Passeiertal ist wirtschaftlich und beschäftigungsmäßig ein blühendes und gesundes Tal. Die überwiegend junge Bevölkerung stellt ein großes Potential dar, um die Herausforderungen der Zukunft zu meistern. Aus diesem Grund muss im Tal auch nicht in dem Ausmaß wie im übrigen Südtirol auf ausländische Arbeitskräfte zurückgegriffen werden. Dass Moos als eine Randgemeinde seine Einwohnerzahl seit den sechziger Jahren halten konnte, zeugt von einer umsichtigen Entwicklung. Gleichwohl finden nicht alle Passeirer im Tal eine Arbeit. Den rund Tales stehen rund 2000 Arbeitsplätze zur Verfügung, weshalb viele Arbeitnehmer zum Ballungsraum Meran und weiter pendeln müssen. Die Lebensqualität im Sinne der Entfernung des Arbeitsplatzes und wahrscheinlich auch des Einkommens ist in St. Martin eindeutig am höchsten. Dort wäre theoretisch weder Einpendler noch Auspendler notwendig, weil den rund viele Arbeitsplätze gegenüberstehen.
In Passeier lebt eine relativ junge Bevölkerung, mit wenigen Ausländern. Der Substitutionsindikator (Anteil der Junioren je 100 Senioren) liegt mit 153 weit über dem Landesdurchschnitt von 104. Der Ausländeranteil an der Bevölkerung ist mit rund 1% äußerst niedrig. In Südtirol insgesamt ist er mehr als viermal so hoch.
Das Passeiertal ist vor allem durch die Landwirtschaft und das Gastgewerbe geprägt. Die meisten der 693 landwirtschaftlichen Betriebe bewirtschaften eine Fläche zwischen 20 und 50 ha. Während im vorderen Passeiertal das Gastgewerbe nur im Sommer interessant ist, hat das hintere Passeiertal auch ein starkes Winterangebot. Insgesamt bieten die 198 Gastbetriebe .
Die Beschäftigungsstruktur der Männer, welche einer unselbständigen Beschäftigung nachgehen entspricht etwa dem Landesdurchschnitt. Bei den Frauen hingegen, insbesondere bei den Einwohnerinnen von Moos, ist der Anteil geringer. Die ca. 1400 selbständigen Erwerbstätigen sind vor allem Landwirte und Handwerker, gefolgt von Gastgewerbetreibenden und anderen Dienstleistern. Die Einwohner von St. Leonhard sind überdurchschnittlich im Dienstleistungsbereich (besonders öffentliche Sektoren), jene von St. Martin in der Industrie und jene von Moos in Handwerksbetrieben, Bauwesen, Landwirtschaft und Gastgewerbe beschäftigt. Die Anstellung von Nicht-EU-Bürgern hält sich in Grenzen und war 2005 bei ca. 50 Personen. Auffallend ist, dass die abhängige Beschäftigung in Passeier sehr stark von einem Betrieb geprägt ist. Dieser Betrieb beschäftigt ca. 450 Personen, davon kommen ca. 320 Mitarbeiter aus den drei Passeirer Gemeinden. Damit beschäftigt dieser Betrieb beinahe 50% aller Arbeitnehmer im produzierenden Gewerbe des Tales und ganze 20% der gesamten Arbeitnehmer im Tal. Abschließend gab Dr. Sinn eine persönliche Zukunftsprognose: Das Passeiertal hat die besten Voraussetzungen, weiterhin sehr viele attraktive Arbeitsplätze für die eigene Bevölkerung zur Verfügung zu stellen und dürfte somit auch in Zukunft nicht unmittelbar von Abwanderung bedroht sein. Es gilt weiterhin, das Landschaftsbild zu pflegen und zu erhalten, auf typische Produkte in der Landwirtschaft und im Handwerk zu setzen und das Tal für den Fremdenverkehr weiterhin ansprechend zu gestalten. Ebenso muss auf eine den heutigen Erfordernissen, sowohl der Wirtschaft als auch der Arbeitspendler, entsprechende Verkehrsanbindung zum Ballungsraum geachtet werden. In diesem Sinne ist Innovation gefragt und kann die Arbeits- und Lebensqualität der Bevölkerung längerfristig gesichert werden.

Bürgermeister Konrad Pfitscher, Dr. Helmuth Sinn Direktor Abteilung Arbeit, Präsident Hofer Karl

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